12.Kulturtage in Rerik vom 8. - 10. Sept. 2016
Pressemitteilung vom 26.09.2011

"SIEBEN JAHRE SANSIBAR", so sind die diesjährigen Reriker Kulturtage überschrieben. Die "ominöse", heilige, verflixte aber auf jeden Fall vieldeutige Zahl "7" begleitet wie ein roter Faden die knapp zwei Wochen das kulturelle Programm der Sansibar Kulturtage in und um Rerik.

Die Kulturtage selbst befinden sich im siebten Jahr ihres Bestehens und im ganzen Ort werden sich an den verschiedensten Stellen in Geschäften an Häuserfassaden oder Vorgärten Sinnsprüche zu eben dieser Zahl "Sieben" wiederfinden. Am 7. Okt. wird am Vorabend zum großen Sansiball eine Tanzstunde sein und der Abend "Sieben im Turm" weist auf sieben regionale Künstler hin, die ihre Arbeiten präsentieren werden.

Natürlich haben die Veranstalter auch für andere Höhepunkte gesorgt, um ein möglichst breites Interesse zu wecken und viele Besucher zu locken. Ein Höhepunkt ist sicherlich bereits der Eröffnungsabend im Herrenhaus Roggow, wo die Dauerpräsentation "7 Worte - 7 Fragen" vorgestellt wird und anschließend die Theatervorstellung des sommerlichen Erfolgsstücks "Rerik sucht Albert" von dem Ensemble theatersansibar dann zum letzten mal aufgeführt wird. Eine kommödiantische Spurensuche in 3 Akten.

Speziell den Kindern und Jugendlichen ist "Das Märchen" gewidmet, das die Freie Schule Rerik als Premiere aufführt. Das "etwas andere Märchen" sagt die Autorin Antonia Pinkis, selbst Schülerin der 8. Klasse, und verrät soviel, dass Märchenprinzessinnen in die Jetztzeit reisen müssen, um sich Hilfe zu holen.

Vielen ist vielleicht Ingo Bartz ein Begriff, der im Herrenhaus Büttelkow am 4. Okt. eine Liederreise unternimmt, nicht ohne sich seiner Sprache und verschiedener Instrumente zu bedienen.

Ganz sicher aber wird in diesem Jahr wieder "Der Ball", der Sansiball im Herrenhaus Roggow großen Zuspruch finden, denn solche Tanzabende, wie sie in früheren Jahren sehr beliebt waren, kann auch am 8. Okt. wieder jeder kommen, der Lust auf Musik, Gespräche und Tanzen hat.

Es fällt auch auf, dass die Veranstalter in diesem Jahr den Schwerpunkt ganz bewusst auf regionale Darsteller gelegt haben, so stark, wie in den zurückliegenden Jahren bisher nicht. Und so ist es den fünf privaten Verantwortlichen wieder gelungen, ein Programm mit ganz eigenem Zuschnitt auf die Beine zu stellen, das dennoch ein breites Publikum erreichen soll.



Ostsee-Zeitung vom 09. Oktober 2009

Das Trauma der Erinnerung


Objektkünstler Günther Uecker und Filmemacher Michael Kluth dachten in Rerik laut über ihr künstlerisches Schaffen nach.

Rerik - Die schwarz-weißen Tasten geben nach. Sie weichen der Axt von Prof. Günther Uecker, der wild auf das Klavier einschlägt. Es ist eine Szene aus dem Film „Wie ein Bauer auf dem Feld“ (1988/89). Ein Werk von Dr. Michael Kluth, der den Maler und Objektkünstler mit internationalem Ruf seit gut 20 Jahren dokumentarisch begleitet. Beide waren Gäste der 5. Reriker Kulturtage.

Während Günther Uecker weltberühmt mit seinen Nagelbildern und ihren dynamischen, reliefartigen Oberflächen wurde, konzentrierte sich Michael Kluth auf dokumentarische Filmarbeit. „Wie ein Bauer auf dem Feld“ war der erste gemeinsame Film von Uecker und Kluth. Die Arbeit am Klavier, eine der Szenen im Film, hämmerte sich ins Gedächtnis der Zuschauer.

Das Schaffen im Atelier wurde durch Überblendungen von Bildern jüdischer Grabsteine dramatisiert. Bilder, die erstarren lassen. Die sofort bewusst machen, worum es geht. Das Klavier lässt Uecker später auf eine Glasplatte fallen — Erinnerung an die Reichskristallnacht 1938.

Michael Kluth hält die Kamera am Anfang und Ende des Films auf Uecker, der im Molli durch die Landschaft fährt. Später folgt er ihm unter anderem in die damalige Sowjetunion. Dort durfte Günther Uecker als erster westlicher Künstler nach der Revolution 1917 ausstellen, hieß es.

Der Film — auch wenn Regisseur Kluth einräumt, die technische Qualität sei nicht so, wie er sie heute bietet — sollte ein Muss für alle Uecker- Fans sein, schnörkellos dokumentarisch.

Leider kam es zu einem technischem Problem beim zweiten angekündigten Film „Poesie der Erinnerungen“, der dadurch nicht in voller Länge gezeigt werden konnte. Darin erfährt der Zuschauer auch, welche Schlüsselszene für Ueckers Leben zur großen Bedeutung wurde: Als er mit seiner Mutter auf der Halbinsel Wustrow vor den Russen in ein Haus flieht und die Tür zunagelt. Das Werkzeug zum Schutz und zur Abgrenzung wird darin zum Ausdruck seiner späteren künstlerischen Arbeit.

„Ich denke, das Trauma habe ich inzwischen verarbeitet. Ich kann jetzt gehen“, sagt Günther Uecker, und meint damit jedoch etwas anderes, als diese alte Erinnerung. Er meint seinen Weggang von Wustrow. Dort steht eine Hütte, in der er denkt, malt, grübelt. Er muss sie abreißen. Dem gingen viele Gespräche mit Behörden voraus. Am Beschluss lässt sich nicht mehr rütteln. „Ich bin hier angekommen und muss hier fort. Diese traumatischen Gefühle werden zur Gefahr meiner künstlerischen Arbeit“, sagte er noch im Film.

Der Abriss seiner Hütte ist beschlossen und Uecker scheint seinen Frieden damit gemacht zu haben. Auch, wenn er seine Kindheitstage auf Wustrow verbrachte, sich dort Nächte um die Ohren schlug, indem er Kühe hütete. Uecker will wiederkommen nach Rerik. Die Kulturtage hält er für wichtig. „Hier begegnen sich Menschen, erzählen von sich. Geben preis“, sagte er.

Es wird weitere Filme über sein Schaffen geben. Günther Uecker sorgt für Gesprächsstoffe, die Michael Kluth einfängt, solange beide Künstler es für sich als gut befinden.
SABINE HÜGELLAND



Ostsee-Zeitung vom 02. Oktober 2009

Sansibar-Fotos von Edelgard Feiler


Fotos von den Anfängen des Sansibar-Theater-Ensembles: Das ist der Beitrag von Edelgard Feiler zu den 5. Reriker Kulturtagen. Die Fotos sind im Turm der Kirche zu sehen. Foto: Sabine Hügelland

Rerik Fotografien im Reriker Kirchturm — das ist der Beitrag von Edelgard Feiler zu den Reriker Kulturtagen. Sie zeigen Szenen aus der Uraufführung des Theaterstücks „Der Sprung — Rerik 30“. 2007 wurde — im Auftrag des Ostseebades — der Roman „Sansibar oder der letzte Grund“ von Alfred Andersch von Barbara Frank als Bühnenstück dramatisiert. Das Buch von 1957 ist Bestandteil der deutschen Literaturgeschichte und handelt in Rerik.

Die Arbeiten von Edelgard Feiler in Schwarz-Weiß und Farbe zeigen auf eindrucksvolle Weise, wie intensiv sich die Laien-Schauspieler in ihre Rollen hineingearbeitet haben. Obwohl die Reriker Einwohner keine Profis sind, war davon während der Aufführung kaum etwas zu merken. Harte Arbeit an sich selbst und in der Gruppe ließen aus ihnen eine Schauspieltruppe werden, die es unter Führung von Barbara Frank auch über Rerik hinaus auf die Bühne schaffen könnte.

Edelgard Feiler ist auch kein Profi, wie sie selbst sagt. Ihre Fotos sprechen allerdings eine andere Sprache. Sie kommen auf den Punkt, sind technisch gut umgesetzt und lassen neugierig werden auf das neue Stück.

Am 10. und 11. Oktober gibt es jeweils um 17 und 20 Uhr in der Kösterschün das neue Bühnenstück zu sehen: „Der Traum — Rerik 50“. Eine Fortschreibung der Geschichte vom letzten Jahr — jetzt 20 Jahre später angesiedelt. In der stalinistischen Zeit der DDR. SH

Das große Essen in Roggow
Zum großen Essen wird im Rahmen der Reriker Kulturtage morgen, am Tag der Deutschen Einheit, ab 11 Uhr in das Herrenhaus Roggow und in den Park davor geladen. Das Prinzip ist einfach: Jeder bringt etwas Leckeres und Wein mit, dann wird geteilt, gekostet und geschlemmt. Bei Live-Musik. Und wer nichts zu essen und zu trinken dabei hat und trotzdem kommen will, ist auch willkommen. Er lässt eben eine kleine Spende da. „Wir wollen in lockerer Runde die Geselligkeit pflegen, uns bei einem guten Essen, Musik und Wein nett unterhalten“, so Mitorganisator Peter von Oertzen.
Am Sonntag, 4. Oktober, gibt es ab 19.30 Uhr im Herrenhaus Büttelkow ein interessantes Konzert: die vielfältige Musik Brasiliens.



Ostsee-Zeitung vom 30. September 2009

Zwei Filme über Günther Uecker und seine Liebe zu Wustrow

Rerik. „Die Filme“ – unter diesem Motto steht die nächste Veranstaltung im Rahmen der Reriker Kulturtage „Sansibar ist überall“. Gezeigt werden zwei Filme über den Maler und Objektkünstler Günther Uecker, der auf der Halbinsel Wustrow aufwuchs und sich später als Künstler dort viele Inspirationen holte. „Wie ein Bauer auf dem Feld“ (1988/89) und „Poesie der Erinnerung“ (2008) heißen die beiden Streifen von Autor und Regisseur Michael Kluth. Er und Günther Uecker werden zur Aufführung der Filme anwesend sein, danach als Gesprächspartner zur Verfügung stehen. Los geht es heute um 19.30 Uhr im Feriendorf der Awo Sano. Der Eintritt kostet 7 Euro. Sansibar ist heute also ein guter Grund, um ins Kino zu gehen.



Ostsee-Zeitung vom 30. September 2009


Annette Korolnik-Andersch wurde 1950 als Tochter von Gisela und Alfred Andersch geboren. Sie genoss Ausbildungen als Wissenschaftliche Zeichnerin, Textilentwerferin und Malerin an den Kunstschulen in Basel, Zürich und an der St. Martin’s School of Art in London. Seit 1972 ist Annette Korolnik-Andersch freie Malerin und Objektkünstlerin. 2008 gab sie gemeinsam mit ihrem Mann Marcel das Buch „Sansibar ist überall“ heraus. Marcel Korolnik starb im Dezember 2008. Foto: Hoppe

Berliner Künstlerin: „Rerik ist ein von innen heraus sonniger Ort“

Rerik - Mit ihr starteten die fünften Reriker Kulturtage: Annette Korolnik-Andersch. Sie stellte den von ihr und ihrem Mann Marcel herausgegebenen Sammelband „Sansibar ist überall“ mit Texten und Dokumenten zu Alfred Andersch und seinen Themen in Rerik vor. Die OSTSEE-ZEITUNG sprach mit ihr.

OZ: Wie oft waren sie in Rerik?

Annette Korolnik-Andersch: Ich war im Jahr 2006 mit meinem Mann hier und jetzt habe ich hier zwei Tage erlebt. Zwei Tage Sonne und Luft, die mir sehr gut getan haben.

OZ: 1938 besuchte ihr Vater, der Schriftsteller Alfred Andersch, diesen Ort.

Annette Korolnik: Ja, er war 1938 von Hamburg, über Lübeck, Wismar bis nach Rerik gewandert.

OZ: Und wurde hier dann zu seinem späteren Roman „Sansibar oder der letzte Grund“ inspiriert?

Annette Korolnik: Das weiß ich nicht genau. Er hat nur irgendwann gesagt, es hätte 20 Jahre gebraucht, bis diese Landschaft, dieses Haff und diese Städte Wismar und Rerik zu einem Roman konveniert (gepasst) hätten.

OZ: Welchen Eindruck hinterlässt bei Ihnen Rerik?

Annette Korolnik: Wenn ich es in den Kontext setze zu allem Möglichen, was ich mir hier oben angeguckt habe, ist es für mich ein friedlicher, ruhiger und auch von innen heraus sonniger Ort.

Ich finde, das Ganze hat eine gute Ausstrahlung, sehr bescheiden, sehr unneurotisch. Rerik ist nicht überhöht, es wurde auch nichts draus gemacht, was es gar nicht bieten kann.

OZ: Insofern ist es vielleicht gar nicht verkehrt, die Halbinsel Wustrow in Ruhe zu lassen?

Annette Korolnik: Mein großer Wunsch wäre: Zaun weg und einfach, um Gotteswillen, bitte gar nichts!

OZ: Aber spazieren gehen, oder?

Annette Korolnik: Ja, unbedingt. Das ganze integral unter Naturschutz stellen. Das brauchen wir! Das ist doch ein Kapital von der Müritz bis hier oben, dass sie diese im Urzustand belassenen Dinge beibehalten. Aber vielleicht setze ich mich jetzt in alle vorhandenen Fettnäpfchen.

OZ: Nach Ihrer Lesung hörte ich, dass Sie für Rerik ein Video zum Tod des Roman-Pastoren Helander produzieren wollen.

Annette Korolnik: Ich habe eine Idee und die zieht Fäden. Sie sind mir da schon viel zu präzise. Ideen müssen wandelbar bleiben. Ideen müssen zudem finanziert werden können. Und dann müssen Ideen ja auch noch umgesetzt werden.

OZ: Worin besteht nun die Idee?

Annette Korolnik: Im Sansibar-Buch gibt es diese Stelle, wo der Pastor Helander im Sterben diese Schrift auf der Kirche sieht. Das war für mich eine Initialzündung, während eines schönen Orgelkonzerts. Als ich da drin saß und gesehen habe, dass diese Kirche von innen heraus eigentlich vollgeschrieben ist. Jeder Engel trägt auch noch ein Spruchband und alle Heiligen sind schön benannt und so. Da dachte ich plötzlich, hier ist ja schon Schrift. Vielleicht ist das die Schrift, die Helander gemeint hat. Aber ich mag nicht gern über ungelegte Eier reden.

OZ: Kommen Sie denn nächstes Jahr wieder hierher?

Korolnik: Wenn man mich einlädt... Ich werde zumindest zu Jahresbeginn wieder hier oben sein, um einiges zu planen. Interview: THOMAS HOPPE



Ostsee-Zeitung vom 29. September 2009

„Zauberflöte“ als Singspiel für Kinder

In dem Singspiel „Die Zauberflöte“ geht es um den Sieg der Liebe über alles, was Menschen voneinander trennt. Die Flöte selbst verwandelt raubgierige Wölfe in zahme Lämmchen. Hilfreich, wenn eine Prinzessin aus den Fängen des Bösen befreit werden soll, wie in Rerik bei der Aufführung in der Turnhalle. Foto: Sabine Hügelland

Rerik Wolfgang Amadeus Mozart schrieb einst die Oper „Die Zauberflöte“. Die Uraufführung war 1791 in Wien. Jetzt erfolgte in Rerik eine Uraufführung, in der Kinder für Kinder spielten. Es war die zweite Veranstaltung der Reriker Kulturtage und die jungen Darsteller schafften es, die Turnhalle fast voll zu bekommen. Etwa 30 Akteure von der ersten bis zur siebenten Klasse machten mit.

Alles Kinder, die entweder in Neubukow oder Rerik in die Christenlehre gehen. Hinzu kam das Flötenensemble von Susanne Kotzbauer. Kirchenmusiker Bernhard Barth hatte die musikalische Leitung inne und schrieb das Stück kindgerecht um.

„Schwierig war es, ihnen klar zu machen, dass sie hinter der Bühne ganz still sein müssen“, ließ er wissen. Auch das wurde geschafft und dazu noch ein stimmlich schwieriges Singspiel in nur einer Woche einstudiert. In der Kirche war zu wenig Platz für die Aufführung. Deshalb stellte die Freie Schule Rerik die Halle zur Verfügung. Der Aufführungstermin am 1. Oktober in der Kirche entfällt aus diesem Grund. „Als Dank werden wir auch in der Schule auftreten“, so Barth. SH



Ostsee-Zeitung vom 28. September 2009

Vor Rerik wurde Roman lebendig
Andersch-Lesung vor Rerik. V.l.: Peter von Oertzen, Fischer Karl-Heinz Weiß, Annette Korolnik-Andersch, in der Mitte das Ehepaar Berghegger, dahinter Michael Augustin, Ulrich von Oertzen (mit Hut) unmittelbar vor Jutta zu Knyphausen (oben). Foto: Thomas Hoppe

Rerik 15 Leute an Bord eines Fischkutters und seines Beibootes mitten im Haff vor Rerik — gelesen wird hier an diesem Samstagvormittag aus dem Roman „Sansibar — oder der letzte Grund“ von Alfred Andersch. Es war die Idee der Tochter des Autoren, Annette Korolnik-Andersch. Die gestern 59 gewordene Berliner Malerin hatte bereits am Vorabend im Gemeindehaus die 5. Kulturtage des Ostseebades mit einer Lesung aus dem Buch „Sansibar ist überall“, das sie und ihr Mann Marcel im vergangenen Jahr herausgebracht hatten, eröffnet. Jetzt liest sie gemeinsam mit dem Autoren und Radiojournalisten Michael Augustin aus dem Andersch-Roman, der insbesondere in dem Ostseestädtchen Rerik des Jahres 1937 spielt. Unter den Zuhörern Jutta zu Knyphausen, die es wunderbar findet, bei diesem Flair auf dem Boot — auch in dem Roman geht es ja um eine Bootsfahrt — „Literatur lebendig werden zu sehen“, wie es Annette Korolnik-Andersch ausdrückt. „Zudem ist es für mich hier wie beim Erwerb eines Bildes, wenn man sich mit dem Künstler darüber unterhalten kann.“ Für Helga und Franz Berghegger ist es der krönende Abschluss ihres Urlaubs. Es gibt viel Lob und der Mitinitiator der Kulturtage, Peter von Oertzen freut sich. Nicht nur Michael Augustin meint schließlich „es ist gar kein altes Buch!“ TH



Ostsee-Zeitung vom 16. September 2009

Reriker machen Kultur für Reriker

In Rerik werden die 5. Kulturtage veranstaltet: Der Mix aus Theater, Musik, Lesungen und Kulinarischem wird von einer kleinen Gruppe organisiert. Rerik „Sansibar ist überall“ — unter dieses Motto haben die Organisatoren und Macher die 5. Reriker Kulturtage vom 25. September bis zum 11. Oktober gestellt. Und das nicht von ungefähr: Denn so heißt das neue Buch, das Marcel Korolnik und Annette Korolnik-Andersch, die Tochter von Alfred Andersch, jetzt gemeinsam mit Co-Autoren herausgebracht haben. Der Untertitel verrät, dass darin viel über das Leben des Schriftstellers und über seinen berühmten Roman „Sansibar oder der letzte Grund“, dessen Handlung im Rerik der Nazi-Zeit angesiedelt ist, zu erfahren ist: „Alfred Andersch: Seine Welt in Texten, Bildern, Dokumenten“. „Wir sind sehr glücklich darüber, dass Annette Korolnik-Andersch am nächsten Freitag um 19.30 Uhr im Gemeinderaum der Kirche mit einer Lesung unsere Kulturtage eröffnen wird. Danach laden wir ein zu Gesprächen, Musik und Wein“, so Peter von Oertzen, einer der Macher der Kulturtage. Es folgen sieben weitere Veranstaltungen an unterschiedlichen Orten: Mozarts Zauberflöte, dargestellt von einer Kindergruppe, die Vorstellung interessanter Biografien von Reriker Frauen, die vielfältige Musik Brasiliens, Brunch mit Livemusik, ein besonderer Film, ein Hörspiel und eine weitere Lesung. Höhepunkt und Ausklang der 5. Reriker Kulturtage werden am 10. und 11. Oktober vier Aufführungen des Theaterstücks „Der Traum — Rerik 50“ sein. Regisseurin und Autorin Barbara Frank hat darin die Protagonisten des Andersch-Romans, der in den 30er-Jahren handelt, mit ihren Problemen und Konflikten in das Rerik der 50er-Jahre versetzt, in die Zeit des Stalinismus in der DDR. Seit dem Frühjahr probt Barbara Frank regelmäßig mit ihrem Laien-Ensemble „theatersansibar“. Ein Besuch der OZ bei einer Probe vor einigen Wochen zeigte damals schon, dass man beeindruckendes Theater erwarten darf. Karten gibt es ab sofort im Vorverkauf in der Kurverwaltung. Größere und kleinere Festivals gibt es vielerorts. Das Besondere an der Reriker Spielart: Alles wird ehrenamtlich durch Leute aus Rerik und den umliegenden Orten gemacht. Es gibt kein Budget, nur eine Unterstützung der Stadt für das „theatersansibar“ und Barbara Frank, die auch die Biografien der Reriker Frauen erarbeitet hat. Was an Einnahmen notwendig ist, muss durch die moderaten Eintrittsgelder und die kleine Gastronomie nach den Veranstaltungen hineinkommen. „Die Gruppe der Macher übernimmt auch die finanzielle Verantwortung für die Kulturtage“, erklärt Karen Siegert für den Fall, dass etwas ausgeglichen werden muss. Die Macher der Kulturtage sind der Kaufmann Peter von Oertzen, Pastorin Karen Siegert, Michael Bauer, Chef der AWO-SANO-Gesellschaft, der Architekt Holger Bernitt und der Bildende Künstler Andreas Renner. „Wir haben uns vor fünf Jahren einmal mit dem Ziel zusammengesetzt, nach der Saison, wenn es wieder ruhiger wird und die Leute Zeit dafür haben, für die Menschen in und um Rerik ein kulturelles Ereignis auf die Beine zu stellen, das hier in der Region verwurzelt ist. Daraus entstanden die Kulturtage, und dass wir dabei das Andersch-Erbe in Rerik einbinden würden, lag auf der Hand“, schildert Peter von Oertzen das Werden des kulturellen Ereignisses, das in den vergangenen Jahren durchschnittlich 600 bis 700 Zuschauer und Zuhörer erreichte. Und auch für Urlauber mittlerweile längst mehr als ein Geheimtipp ist. Mit Barbara Frank und ihren Theater-Aktivitäten kam wenig später dann eine neue, interessante Facette dazu. Und für eine weitere Neuerung sorgte jetzt Kirchenmusiker Bernhard Barth. Er bringt — gemeinsam mit Laien-Regisseurin Karin Kotzbauer — am 27. September Mozarts Oper „Die Zauberflöte“ auf die Bühne: Die Darsteller und Sänger sind Kinder, die in die zweite bis sechste Klasse gehen. Auch Kostüme und Bühnenbild sollen sehenswert sein.
LUTZ WERNER


Holger Bernitt, Karen Siegert, Barbara Frank und Peter von Oertzen (v. l.) gehören zu der kleinen Gruppe, die federführend die mittlerweile schon 5. Reriker Kulturtage auf die Beine gestellthat. Foto:Lutz Werner

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